Restauratorische Maßnahmen

Restauratorische Behandlungsmethoden oder konservatorischen Maßnahmen müssen sich stets auf den akuten Fall konzentrieren. Das heißt, dass für jeden Schaden ein anderes Verfahren entwickelt wird oder sich aus dem Fundus an Erfahrungen in den Ateliers ergibt. Weil sich als Auftraggeber auch Künstlerinnen und Künstler restauratorischen und konservatorischen Problemstellungen gegenüber stehen, wird hier ein kurzer Überblick über die wichtigsten Methoden vorgestellt.

Als selbstverordnete Gebote geht heute jeder Restaurierungsmaßnahme folgende Maximen voran:

a. Reversibilitätsregel

Alle eingesetzten Materialien sollten wieder entfernbar sein, ohnedass das Kunstwerk beschädigt werden könnte.

b. Ergänzung

Ergänzungen beschränken sich stets nur auf jene Partien, wo die ursprünglich originale Materie fehlt.

c. Dokumentation

Jeder einzelner Eingriff einer Restaurierung oder Konservierung wird durch eine Dokumentation aufgezeigt.

Festigen

Gelockerte Mal- und Grundierschichten an Gemälden auf Leinwand oder bei Holztafeln sind sehr häufige Schadensphänomene. Sie werden mit speziellen Klebstoffen behandelt und also gefestigt. Hierfür werden oft stark verdünnte wässrige natürliche oder auch synthetische Leimlösungen eigesetzt.

Reinigen

Weil gerade auch Gemälde bzw. ihre Oberflächen schließlich sauber und rein sein sollen, unterliegt gerade der Begriff der Reinigung einer gewissen Ambivalenz. Aus diesem Grund muss streng zwischen der Oberflächenreinigung und einer Firnisabnahme unterschieden werden.

Oberflächenreinigung

Auf Gemäldeoberflächen erscheinen im Laufe der Zeit eben genau jene Verschmutzungen, die in ihrer näheren Umgebung auftreten. Die Entfernung von Oberflächenschmutz mit geeigneten Reinigungsmitteln sollten nur erfahrene Restauratoren vornehmen. Nur das Entfernen von Staub mit weichen Pinseln oder Tüchern kann man in zuweilen selbst erledigen.

Firnisabnahme

Infolge von Oxidationsprozessen werden Harzfilme als Alterungserscheinung gelb, deren Intensität abhängig von der jeweiligen Zusammensetzung und Schichtdicke vom Firnisüberzug oder den darunter liegenden Malschichten ist. Oft ist eine Trübung des Firnis’ ein häufig zu beobachtendes Schadenphänomen. Als Ursache lassen sich dabei meist feinste Risschen unter dem Mikroskop erkennen, die dann etwa das Licht streuen und so die Malerei als undurchsichtig erscheinen lassen. Durch eine geeignete, oft durch naturwisseenschaftliche Untersuchungen beratend, begleitete Firnisbehandlung beseitigen.

Die Abnahme oder Regeneration eines Firnis’ ist eine in das Bildgefüge einschneidende Maßnahme, die von vielen Faktoren abhängig ist. Die Lösungsmittel müssen dabei ständig auf die Empfindlichkeit für Malschichten, Lasuren und den originalen Firnis selbst eingestellt werden. Dabei wird es besonders kompliziert, je ähnlicher sich die Malfarben und der Firnisfilm in ihrer chemischen Zusammensetzung sind.

Doublierung

Über die Jahre werden manche Leinwände ihre ursprüngliche Aufgabe als textile Bildträger oft nicht mehr erfüllen. Häufig werden dann so genannte Doublierverfahren in der Restauriertechnik eingesetzt. Diese Verfahren unterscheiden sich nach der Art der Bindemittel und ihren einzelnen Methoden. Beim Doublieren wird der originale textile Bildträger mit einer (selten mehreren) zusätzlichen Leinwand hinterklebt und so die originale geschwächte oder anders geschädigte Leinwand verstärkt. In kleinerem Rahmen bestehen auch Methoden mit der Randverstärkung, Randanstückung und immer öfter in der Rissverklebung neuerdings Alternativen.

Kitten von Fehlstellen

Fehlende oder entfernte Mal- und Grundierschichten werden meist bis zum originalen Bildniveau auf- bzw. ausgekittet. Die als Kitt bezeichneten Füllmassen bestehen zumeist aus nur Bindemittel und Füllstoff. Sie werden mit spachtelähnlichen Instrumenten aufgetragen und der Struktur der originalen Malerei angepasst.

Retusche

Mit der Retusche wird die restauratorische behandelte Partien dem Original farblich so angeglichen, dass sie sich optisch gut hier einfügt und auch später nicht verändert. Dabei wird streng nur die betreffende Fehlstelle retuschiert. Überdies sollte bei der Wahl Dabei sollten die zum Einstza kommenden Bindemittel und Pigmente über hervorragende Eigenschaften verfügen (Alterungsverhalten, Wiederlöslichkeit). Dabei sollte nur der optische Ausdruck der originalen Malfarbe rekonstruiert werden.

Anmerkung

Für die Erhaltung eines Gemäldes und dessen Beurteilung fallen neben Anzahl und Ausbreitung von Fehlstellen auch die originale Bildsubstanz von Vorder- und Rückseite ins Gewicht. Für die Bewertung sind auch Fehlstellen bildwichtiger Partien ausschlaggebend. Die Behandlungen von Gemälden sind häufig subtile und sattsam zeitraubende Arbeiten, die man besser Restauratoren überlässt. Denn durch inadäquate Maßnahmen Gemälde nicht nur verdorben sondern auch völlig entstellt werden können. Einige Veränderungen lassen sich selbst durch die restauratorische und konservatorische Methoden nicht mehr rückgängig machen. Dazu zählen Farbveränderungen (Nachdunkeln, Durchwachsen der Grundierung), Borkenbildung, verpresste Oberflächen. Hin und wieder lassen sich krepierte Mal- oder Firnisschichten durch Regenerierung wiederherstellen.

Restauratorische und konservatorische Maßnahmen werden am besten in die Hände von ausgebildeten Fachkräften gelegt, während pflegende und gewisse vorbeugende Maßnahmen von jedem selbst ergriffen werden können. Den größten Schutz bietet immer noch eine geeignete Aufbewahrung, dazu gehört neben der Lagerung auch die Rahmung und die Präsentation. Das Restaurierungsfach und auch die Konservierungsmethoden haben in den zurückliegenden Jahren enorme Entwicklungen durchlaufen. Die heute tätige Generation von Restauratorinnen und Restauratoren, gleich wo, in den Museen, Denkmalpflege oder freiberuflich, bestehen mittlerweile zu einem überwiegenden Teil aus akademisch gebildeten Spezialisten. Mit ihrem chemischen, historischen, kunsttechnischen und ästhetischen Wissen im Verbund mit handwerklicher Geschicklichkeit und Know-how sind Restauratorinnen und Restauratoren heute befähigt, eine überaus verantwortungsbewußte Interpretation eines Kunstwerks zu liefern, die auch den strengen international genau festgelegten restaurier-ethischen Prinzipen genügt.

Bei einschneidenden Restaurierungseingriffen werden oft - oder im günstigen Fall - zu Projekten Kunsthistoriker und Naturwissenschaftler verschiedener Sparten auf internationaler Ebene konsultiert, um so den Maßnahmen am Objekt bestens gerecht zu werden und in einem Team zu arbeiten. Da die tätigen Restauratoren unvermeidliche Eingriffe am Original vornehmen, müssen sich diese auf eine historisch verantwortbare Interpretation beschränken, die bei der Erhaltung des Originals in allen Aspekten vorrangig ist. Für den Restaurator ist die originale Substanz des Kunstobjekts unantastbar, und darum gelten auch die genannten strengen Maßstäbe (s. a. Reversibilitätsregel).

Kontakt:

Anna Feuchtinger (Tochter von Thomas Hoppe)
c/o Atelier Thomas Hoppe
Klausstraße 11
22765 Hamburg-Altona
Mobil: 0157 878 160 28
E-Mail senden
zur Anfahrt